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Außen hui - innen not possible

Aktualisiert: 7. Aug. 2019

Wir haben die erste Woche in unserem neuen Haus hinter uns und wir sind restlos begeistert. Quasi eingerichtet gefällt es uns noch besser, als leer. Der Umzug ging reibungslos von statten, gab ja außer uns auch nichts zum umziehen. Interessanter wurde es dann bei der folgenden Einrichtung des Internets, des Fernsehers, der Definition, was ein Sofabed so alles sein könnte und wessen Schuld es ist, wenn die Couch durch die zugelaufenen Katzen der Vormieter restlos auseinander genommen wurde und wer für Ersatz zuständig ist - auf keinen Fall der Vermieter.


Noch faszinierender und unterhaltsamer wurde anschließend die Einrichtung des Entertainment-Systems. Im Minutentakt kamen und gingen fleißige Handwerker und Elektriker, brachten verschiedene Boxen mit, schlossen sie an, setzten sich auf das ledierte Sofa, lachten, schauten schließlich fern und die Vermieter hauten sich auf die Schenkel, das es eine Freude war. Wir hatten angst, dass die ersten irgendwann einschlafen würden oder ihre Kinder aus der Schule und zu uns an den Esszimmertisch setzen würden. Es schien fast so, als sei für jedes Schräubchen und jedes Kabel ein anderer Fachmann nötig. Als sich dann auch noch unsere zukünftige Ayi dazu gesellte, befanden sich zirka 12 fremde Menschen in unserem neuen Haus. Es war so herzlich.


Herzlich ist aber tatsächlich unsere Ayi, mit der ich mich nur mit einer komplizierten Zeichensprache verständigen kann (ab Montag gibt es Chinesisch-Unterricht). Sie spielt mit den Kindern, wuselt durchs Haus und kann auf ganz wundersame Weise Berge von Müll verschwinden lassen - wir werden nie erfahren, wo er hinwandert, wollen es aber auch gar nicht. Wir haben schon Schweißausbrüche bekommen, als Verena die neue Müllverordnung aus dem Büro mitbrachte. Dachten wir gerade noch, dass wir dem Sortierwahn jetzt entgangen wären, wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Im WeChat Chat unseres Compounds beschrieb es jemand sehr treffen:


"How to remember wich waste is for wich bin, we should do this from a pig's angle. Those edible for pigs are household food waste. Those even pigs don't want to eat are residual waste. If a pig consumes something and dies of it, than something must be hazardous waste. Those wich can be sold and the money we gain can be used to purchase pigs are recyclable waste."

Am Ende des Tages hat aber tatsächlich alles funktioniert. Wir sind stolze Besitzer von 546 Programmen, darunter sogar ein deutscher (Deutsche Welle).


Als nächstes stand die Besichtigung des Compunds auf dem Programm. Der präsentiert sich wunderschön grün. Zikaden zirpen auf den Bäumen, die den Fluss säumen, der sich zwischen den Häusern entlang schlängelt, bis hin zum Clubhaus. Das Clubhaus ist pompös, ein Prachtbau der von außen mit jedem Country Club äußerst locker mithalten kann. Man erwartet dort den Abschlag zum 18-Loch-Golfplatz der Shanghaier High Society oder doch zumindest einen Hubschrauberlandeplatz oder ein Polofeld (siehe Bilder). Ist man erstmal durch den ehrwürdigen Eingang eingetreten, ändert sich der Eindruck allerdings ... ein wenig. Wie durch ein Teleportationsportal findet man sich in einer etwas heruntergekommenen Schulaula wieder, das kleine Hallenbad im "Westflügel" erinnert eher an die Endzeitbilder aus Chernobyl (kann aber mit 3 schlecht gelaunten Bademeistern beeindrucken) und die Dame am Empfang schaut uns nur verständnislos an, als wir nach einer Einführung oder einem Rundgang fragen. Sie führt uns in ihrer Hilflosigkeit an ein ehemals mondänes Informationsboard und geht mit uns die aufgeführten Features durch:


"First floor, there is a Café, but there is no coffee. Not possible, it's closed forever. Than there is a swimming pool, but you have to pay and there are toilets. Second floor there is SPA and massage, you have to pay for, i don't know. We have a meeting room, but it's just for us, we meet there, the gym is also on the second floor, but the door is locked. Here is ping pong room, the door is locked, but we can open for you. We have no ping pong balls and no ... no ... rockets? Rackets. There is the card and chess playing room, but nobody plays there, the door is locked. Billard, I don't know, what it is, i think there is no billard. It's not possible, now I have to leave."

Zugegeben, es ist ein bisschen ernüchternd, aber uns bleibt immer der Blick von außen auf das Gebäude.



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